Es ist vermutlich die klassische Frage jeder Selbstständigen im kreativen Bereich:
Bin ich zu günstig?
Bin ich zu teuer?
Und was kosten vergleichbare Handarbeiten eigentlich anderswo?
Nein — ich möchte hier keine seitenlangen Rechtfertigungen für meine Preise schreiben. Mir ist lediglich wichtig, transparent zu erklären, wie sie entstehen.
Dabei ist mir eines besonders wichtig: Ich vergleiche mich bewusst nicht mit allen Nähstudios oder Angeboten im Internet. Jeder Betrieb arbeitet unter anderen Voraussetzungen, mit anderen Fixkosten, Zeitmodellen, Lebenssituationen und Zielen.
Mein Weg sieht so aus: Ich bin ausgebildete Rechtsanwaltsgehilfin, habe mehrere Jahre in den USA gelebt und war vor meinen Kindern angestellt tätig. Seit 2011 führe ich mein Nähstudio vollständig selbstständig — inklusive Gewerbe, Steuern, Versicherungen, Shopkosten, Lizenzen und allem, was zu einem echten kleinen Unternehmen dazugehört.
Heute habe ich den großen Luxus, unabhängig und ohne wirtschaftlichen Dauerdruck arbeiten zu dürfen. Dadurch kann ich Projekte bewusst ruhig, sorgfältig und ohne Fließbandtempo umsetzen.
Keine Massenproduktion.
Kein Schnell-Schnell.
Keine künstlichen Daueraktionen.
Und inzwischen auch kein Weihnachtsstress mehr, nur um jede mögliche Bestellung noch „mitzunehmen“.
Ich arbeite lieber mit ruhigem Puls, echter Freude und dem Anspruch, dass jedes Erinnerungsstück die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.
Was bestimmt den Preis meine Handarbeiten?
Zwei Dinge: die benötigten Materialien sowie die Arbeitszeit. In den Artikelpreisen enthalten sind nicht nur das eigentliche Nähen, sondern auch die Mwst. Ich bin keine Kleinunternehmerin (mehr). Ferner fließen weitere Betriebsausgaben mit ein, sodass mir als Selbstständige vom eigentlichen Artikelbetrag deutlich weniger übrig, als vermuten lässt.
Zu den Stoffen: Ich verwende bewusst keine billigen Massenstoffe unbekannter Herkunft. Viele meiner Stoffe stammen aus professionellen Großhandelsquellen, teils mit Oeko-Tex Standard 100 Zertifizierung oder aus Biobaumwolle. Dazu kommen hochwertige Basics, durchgewebte Stoffe und manchmal besondere Fundstücke mit Charakter. Da Stoffpreise stark schwanken, rechne ich der Einfachheit halber pauschal mit 10 € pro Meter Stoff. Das hält die Kalkulation fair und nachvollziehbar.
Und ja — manchmal zahle ich dabei etwas drauf. Aber schöne Stoffe machen einfach glücklich und unser Projekt bezahlbar.
Was ist mit der eingesandten Kleidung für z. B. Erinnerungsdecken? Ja, die kosten mir nichts. Allerdings ist der Arbeitsaufwand höher, weil die Materialien nicht so “Standard” sind, wie bei neuen Baumwollstoffen. Sie verziehen sich, müssen unterlegt werden, verstärkt werden, sind uneben, haben Reißverschlüsse, Knöpfe usw., was alles ggf. separat bearbeitet werden muß.
Wie berechne ich nun fair gegenüber dem Kunden? Ich habe mir eine Rechengrundlage anhand der nötigen Blöcke / Quadrate gemacht. Deshalb findest du in meinen Artikel für Decken oft auch die Anzahl der jeweils benötigen Blöcke/Patches. Dann rechne ich nötiges Verbrauchsmaterial hinzu, meine Arbeitszeit usw. hinzu. Daher kommt oft manchmal auch ein krummer Preise raus.
Wie berechne ich die Arbeitszeit?
Die Arbeitszeit habe ich in meiner langjährigen Erfahrung seit 2011 schon gut im Griff und weiß so ziemlich genau, wie lange ich für was benötige. Die Arbeitszeit beinhaltet Design, Absprachen, Stoffe suchen-finden-einkaufen, Kundengespräche führen, beraten, Designs erstellen, abändern, finishen, Stoffe/Kleidung sichten, sortieren, schneiden, legen, Extras wie Quilt-Label designen, sticken, applizieren, Ränder für Decken schneiden, legen, stecken, nähen, bügeln, binding für Decken schneiden, falten, bügeln nähen uvm.
Ich berechne nicht die Zeit, die insgesamt vergeht – sondern die tatsächliche Arbeitszeit.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn natürlich dauert ein Arbeitstag in der Realität oft länger als die reine Handarbeit selbst. Dazwischen wird geplant, überlegt, sortiert, ausprobiert, dokumentiert oder einfach kurz durchgeatmet. Und ja — manchmal gehören auch Kaffee, die Katze, ein Blick aus dem Fenster oder kreative Denkpausen dazu. Genau das macht handgefertigte Arbeit für mich menschlich statt industriell. Diese Ruhe und Sorgfalt fließen am Ende mit in jedes Erinnerungsstück ein. Denn echte Handarbeit entsteht nicht im Fließbandtempo, sondern mit Aufmerksamkeit, Gefühl und Zeit.
Fazit: Ja, meine Preise sind eher fair als hoch angesetzt. Denn „günstig“ bedeutet für mich nicht billig — sondern ehrlich kalkuliert. Hinter jedem Stück steckt hochwertige Handarbeit, Zeit, Erfahrung und viel Liebe zum Detail. Genau so arbeite ich — und genau deshalb liebe ich, was ich tue.
Es grüßt dich ganz entspannt, Nicole Mundigl von E-LoCin Handarbeiten www.e-locin.de