Wie entsteht der Preis für eine Patchworkdecke?

Ein Einblick in die Gestaltung meiner Preise für Patchworkdecken, Trauerdecken, T-Shirtdecken uvm.

Zunächst möchte ich mich nicht für meine Preise rechtfertigen, sondern mehr Transparenz schaffen, denn es wurmt mich schon manchmal sehr, wenn ich Angebote schreibe, ausführlich berate und dann heißt es plötzlich: ohh, soo viel? Kannst Du das nicht billiger nähen? Nein, kann ich nicht – die angegebenen Preise bleiben so und sind eigentlich noch viel zu niedrig … Hier der Versuch einer Erklärung:

Arbeitslohn, Materialkosten & Zusatzkosten meines Nähstudios:

Mein Stundenlohn liegt bei 23 € brutto. Ich muß die Mwst abführen, also bleibt mir 19,32 € netto pro Arbeitsstunde. Von diesem Netto werden alle meine Ausgaben für das Nähstudio und Material gerechnet. Es ist ja bekannt, dass die Materialpreise an allen Ecken und Enden in letzter Zeit massiv gestiegen sind, die ich als Kleinunternehmerin vollumfänglich bezahlen muß. Ich kaufe hochwertige, neue Baumwollstoffe, die mal mehr mal weniger teuer zwischen 9 – 35 € der Meter liegen können. Dann nutze ich hochwertiges Material, wie Volumenvlies für das Innenleben der Decken, gute Füllkissen aus Deutscher Herstellung, Qualitätsgarn, professionelle Nähmaschinen von JUKI und PFAFF, sowie eine Stickmaschine von BROTHER. Mein Handwerkszeug, wie Patchworklineale, Cuttermesser usw. lassen mir die Arbeit akkurater von der Hand gehen und haben auch ihren Preis.

Kosten für Nebenkosten, Vorabbesprechungen, Änderungen, Zuschnittarbeiten, Abschreibungen, Nähmaschinenkosten sind auch nicht zu vernachlässigen, ebenso wie meine abzuführenden Sozialversicherungsleistungen. Ich bin keine “Du, die da von nebenan, die näht Dir sicher billig mal eben was”, sondern ich habe mein Gewerbe ordentlich angemeldet und zahle meine Steuern, Rentenbeiträge,  Soli, Krankenkassenbeiträge usw. Dann braucht es noch IT-Rechtstexte, EU-pflichtige Verpackungspauschalen für DE und AT. Dann kommen Kosten für Software, PC, Kartons, Verpackungsmaterial, Klebebänder, Materialkosten allgemein hinzu und so viel Kleinkram, der gar nicht in die Waagschale kommt …

All das wird von meinem Arbeitslohn abgezogen. Was bleibt eigentlich noch?

Gehen wir mal an die Arbeitszeit = Arbeitsumfang. Wie viele Stunden brauchst es z.B. für eine Patchworkdecke:

  • 1 – 2 Std: Konzept, grafischer Entwurf oder Visualisierung, Kleidung sichten, sortieren, ausmessen
  • 1 – 3 Std.: grobe Skizze oder Vorstellung der Patchworkdecke, Stickbilder, Name und ggf. Stickbilder designen
  • 1 – 2 Std: kleinere Reparaturen an gebrauchter Kleidung, besondere Stoffe brauchen besondere Handhabung
  • 2 – 5 Std.: Zuschnitt: Den Stoff oder die Kleidung sauber zuschneiden, passend legen, abändern, verschieben, mit Dir absprechen, verändern
  • Mittel 8 Stunden = 1 Arbeitstag: Nähen: Dann beginnt die Näharbeit. Und Näharbeit kommt gerade im Patchworkbereich immer mit jeder Menge Bügelarbeit daher. Jede Naht, die ich genäht habe, muss gebügelt werden. Nähen, bügeln, nähen, bügeln – erst zu Bahnen, diese Bahnen dann zum fertigen Quilt Top. Auch hier braucht es viel Präzision und ein paar Kniffe, damit sich die Nähte an den richtigen Stellen exakt treffen und das ganze Stück nicht krumm und schief wird.
  • Besonderheiten, wie Stickbildarbeiten, Fotobilder o.ä. sind noch gar nicht mit eingerechnet – die können echt sehr zeitaufwendig werden. Ein Stickbild dauert schon mal 1/2 –  Stunde …
  • 1 – 2 Std. Finish: Jetzt kommt das Top auf Volumenvlies und wird mit gaaaanz vielen Stecknadeln fixiert und dann an den Nähten durchgesteppt. So haften 2 Schichten schon zusammen. Dann wird das Top auf die Rückseite gelegt, absolut faltenfrei fixiert und zusammengenäht.
  • 1 – 3 Std. Fotografieren, verpacken, versenden, zur Post fahren, die Logistik verwalten und Sendestatus mitteilen sowie alles, was manchmal leider noch hinterher kommt: Zahlungen hinterherlaufen, ggf. Mahnungen und Inkassoverfahren einleiten wegen unbezahlter Rechnungen, Anwaltskosten usw.

Also, wenn Du das alles zusammenrechnest, wirst Du verstehen, dass die Preise, die Du dann jetzt bei den Artikeln siehst, also nicht die ECHTEN Kosten sein können, denn ich gebe vor allem die wahren Arbeitsstunden nicht weiter und spare an mir selbst. Denn der Endpreis soll für Dich in einem vertretbaren Rahmen bleiben und Dir sollen ja nicht die Augen rausfallen …

Wenn Du also Näherinnen findest, die wesentlich günstiger arbeiten, dann wäre ich doch wirklich sehr gespannt, was die alles nicht berechnen und wie hoch ihr wahrer Stundenlohn ist, nur um auf einen niedrigen Kampfpreis zu kommen …

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